Umweltschutz

Umweltfreundliche Mobilität

Mobilitätsplattforn in der Region Stuttgart

(19.7.18) In den letzten Jahren wurde auch im Ludwigsburger Gemeinderat immer lauter eine vernetzte Verkehrsplanung in der Region Stuttgart gefordert, zum Beispiel, als Nachbargemeinden anfingen, auf ihrer eigenen Gemarkung Durchfahrtsverbote für den LKW-Verkehr zu erlassen. Auch wurde langsam allen Bürgervertretern klar, daß bei Berücksichtigung des Standortfaktors „Grün- und Freiflächen“ der Raum für den KFZ-Verkehr immer enger wird und der Ausbau des Bus- und Bahnverkehrs mit seinem gegenüber dem Individualverkehr unendlich besseren Kosten-Nutzen-Effekt mehr ins Zentrum der Mobilitätsplanung gestellt werden muß. In einem Auto sitzt überwiegend ein Fahrer, im Bus können 50 Leute Platz nehmen, in einer Bahn 500 bis zu 800 Kunden.
Eine vernetzte Planung kann viele Vorteile für die Region bringen, sofern der Satz, “daß beim straßengebundenen Verkehr besonders der Öffentliche Verkehr gefördert“ werden soll, kein Bonbon zur Beruhigung der Gemüter ist, sondern reale Absicht des Verbandes Region Stuttgart.
Die regionale Mobilitätsplattform ist zunächst ein Schritt in die richtige Richtung, mehr nicht. Zu stark liegt der Schwerpunkt der vorgesehenen Vorhaben bei technischen Maßnahmen, zu wenig ist vielen Stadtverwaltungen klar, daß der Individualverkehr den Höhepunkt seines Ausbaus längst erreicht hat, daß es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann. Das Umdenken in den entscheidenden Köpfen hat noch nicht ernsthaft begonnen. Aber vor dem Gewinnen steht stets das Beginnen (altes deutsches Sprichwort). wir hoffen jedenfalls, daß die konkreten Vorschläge intelligenter sein werden als die merkwürdige Aussage zu „unplanbaren Ereignissen wie Unfall auf der Autobahn“, daß „eine Zuflußregulierung eingeführt werden soll, so daß die Leistungsfähigkeit des innerstädtischen Verkehrsnetzes noch garantiert werden kann und darüber hinaus eine zusätzliche Kapazitätserhöhung zur Aufnahme des überregionalen Verlagerungsverkehrs möglich ist.“ Bitte, bitte, liebe Verkehrsplaner und Digitalfans, erklärt mir diesen Satz!

Bebauungsplan „Solarpark Römerhügel“

(27.6.18) Umweltfreundliche Energieversorgung Grundsätzlich sind wir der Meinung, daß ein Solarpark eine wichtige Ergänzung der Ludwigsburger Energieversorgung werden könnte. Aber die Einrichtung darf wegen ihrer verschiedenen Auswirkungen nicht allein unter dem Gesichtspunkt "unabhängige Energieversorgung" betrachtet werden. Auch das Thema „Grün in der Stadt“ und der damit zusammenhängende Klimaschutz müssen unbedingt berücksichtigt werden, denn die große Fläche von Solarkollektoren hat eine nicht unerhebliche Erwärmung des Gebietes zur Folge.
Das im gerade begonnenen Bebauungsplanverfahren Nr. 027/05 dargestellte Gelände ist im Flächennutzungsplan von 1984 (kein Schreibfehler) als öffentliche Grünfläche mit verschiedenen Bezeichnungen, z. B. Landschaftspark oder Parkfläche, ausgewiesen. Angesichts der Höhenlage des Geländes und der vorherrschenden Windrichtung in Ludwigsburg (West bis Südwest) ist das ein klarer Hinweis darauf, daß hier ein Kaltluftentstehungsgebiet und eine Frischluftschneise liegen. Solche Flächen sollten von Bebauung freigehalten werden, wie im Klimaschutzkonzept der Firma faktorgrün, beschlosssen im Gemeinderat bereits im Jahr 2016, nachzulesen ist. „Der hier verlaufende grüne Ring muß noch konkretisiert werden“, diese Aussage ist ebenfalls seit 2016 bei faktorgrün zu finden.

Geeignete Dächer für Solaranlagen gibt es auch in den Gewerbegebieten im Hintergrund.

Frischluftschneisen LUBU-Stadträtin Elga Burkhardt hat zuletzt in den Haushaltsplanberatungen 2018 beantragt, dem Gemeinderat die Frischluftschneisen und Kaltluftentstehungsgebiete in Ludwigsburg als wichtige Entscheidungsgrundlagen für Bebauungsplanaufstellungen vorzulegen. Entgegen den Versprechungen gibt es bis heute keine schriftliche Unterlage zu diesen Fakten. Solange sie nicht vorliegen, kann eine gewissenhafte Gemeinderätin einer weiteren Bebauung in diesem südlichen Bereich der Stadt nicht mehr zustimmen.
Ausgedehnte Gewerbegebiete und verstärkter Wohnungsbau haben in den letzten Jahren fast alle Grünflächen verschwinden lassen. Man gewinnt den Eindruck, daß sein Ziel „Hunderttausend Einwohner für die Großstadt Ludwigsburg“ dem Oberbürgermeister wesentlich wichtiger ist als die Lebensqualität der Einwohner.
Grünflächen und Artenschutz Wir sind der Meinung, daß Solaranlagen in Gewerbegebiete gehören. Die Ausweisung im kürzlich als Satzung beschlossenen Bebauungsplan „Schönbeinstraße Süd“ anstelle von Wohnbebauung wäre sinnvoller als der jetzt geplante Standort gewesen.
Die Darstellung der Artenschutzfrage in der Vorlage ist reichlich verwirrend. Wir erfahren zum erstenmal, daß durch die Erweiterung der Firma Stihl (wann und wo?) streng geschützte Amphibienarten in die Fläche "vergrämt" oder umgesetzt wurden, in der ab 2019 die Kollektoren der „größten Solaranlage Deutschlands“ stehen sollen. Eine Beschluß- oder wenigstens Informationsvorlage zu dieser „Vergrämung“ ist uns unbekannt. Entspricht das Vorgehen den Vorgaben der Artenschutzprüfung und des Bundesnaturschutzgesetzes? Auf alle Fälle erwarten wir eine Sonntagsrede mit Krokodilstränen zum Artensterben.

Dachbegrünung ist keine Lösung

Bienen sterben

Die wichtigsten Gründe für das Bienensterben sind vom Menschen gemacht. Wer das große Insektensterben noch aufhalten will, muß gegen die monotonen Agrarwüsten und die umfangreiche Verwendung von giftigen Chemikalien kämpfen. Auch der Klimawandel bringt mit seinen jahreszeitlichen Veränderungen den Rhythmus der Bienenvölker durcheinander. Die Züchter haben jahrzehntelang die friedlichen und fleißigen Produzenten von großen Honigmengen bevorzugt - nun fehlt dem Ergebnis der Zucht die Widerstandskraft gegen den ganzen Stress, denen die Tiere heute ausgesetzt sind.

So sehen Futterwiesen für Bienen aus.

Was ist zu tun?

Die Politik
- muß die Pestizide verbieten;
- den Ökolandbau fördern;
- nicht alle Freiflächen in der Stadt versiegeln;
- überall im Stadtgebiet Blüh- und Wildpflanzen ansiedeln, aber keine Gewächse, die wenig oder keinen Nektar produzieren;
- selten mähen;
- Lebensraum für Wildbienen schaffen und schützen.

Ein Zirkus im Landschaftsschutzgebiet Marienwahl

Kamele und Löwen direkt an der B 27 in Ludwigsburg ! Was für ein aufregendes Thema, über das sich in den Lokalzeitungen unter dem Obertitel „Wildtiere im Zirkus“ trefflich und emotional streiten läßt.
Die eigentlich wichtigen Fragen bleiben unerwähnt: der Zirkus hat seine Zelte in einer geschützten Zone aufgeschlagen, nämlich im Landschaftsschutzgebiet Marienwahl. Diese absolut neuartige Nutzung der Pufferzone rund um das FFH- und Naturschutzgebiet Favoritepark ist, wie die Presse unisono berichtet, nach Meinung der Ludwigsburger Stadtverwaltung nicht genehmigungspflichtig, zumal es sich bei der Fläche auch noch um ein Privatgrundstück handele.

Still im Hintergrund keimt wohl die Hoffnung, endlich einen „Festplatz“ für Großveranstaltungen gefunden zu haben, der in Ludwigsburg bisher fehlt, seitdem die Bärenwiese nicht mehr zur Verfügung steht.
In der auch im Jahr 2017 durchaus noch gültigen Verordnung zur Unterschutzstellung des Gebietes Marienwahl aus dem Jahr 1990 ist für Jedermann nachzulesen, daß die Landschaftsschutzgebiete rund um den Favoritepark Partnerschutzgebiete sind, die „als Pufferzone zwischen besiedeltem Gebiet und Naturschutzgebiet dienen“ und u.a. aus ökologisch wertvollen Streuobstwiesen bestehen, die mit ihrem vielfältigen Artenbestand ebenfalls gesichert werden sollen. Eine Genehmigung ist unseres Wissens für den Zirkusbetrieb nicht erteilt worden. Auf der Webseite der berühmt umweltfreundlichen Stadt Ludwigburg und in allen Papierunterlagen ist wo nur möglich der Hinweis auf den Nachhaltigkeitspreis 2014 nicht zu überlesen. Sobald es aber darum geht, diesen Begriff in die Praxis umzusetzen, bleibt er der übliche (Papier-)Tiger. Insofern paßt der Zirkus hervorragend in die Ludwigsburger Landschaft.
Man sollte aber dennoch einen anderen Standort für ihn finden. Der Rathaushof mit seiner versteinerten Oberfläche und den vielen Parkplätzen ringsum wäre zum Beispiel ganz gut dafür geeignet.

Nach der Vorstellung: Zirkus im Landschaftsschutzgebiet Marienwahl im November 2017.

In der örtlichen Presse wird das Thema hauptsächlich unter der Überschrift "Gehören Wildtiere in den Zirkus?" abgehandelt.
Um andere, für die künftige Entwicklung der Stadt Ludwigsburg wesentliche Fragen zu klären, haben die Bürgerliste LUBU und der Ortsverband Ludwigsburg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland folgende Fragen an die Stadt Ludwigsburg gerichtet:
1. Wer ist Eigentümer der vom Zirkus Althoff belegten Flächen an der B 27, die zum LSG Marienwahl gehören?
2. Gibt es einen Pachtvertrag? Welche Nutzungen sind auf dem Gelände laut Pachtvertrag genehmigungsfähig?
3. Hat der Zirkus Althoff eine Genehmigung für die Nutzung des Geländes? Wenn ja, wer hat sie erteilt?
4. Wer renaturiert den von den Zirkuseinrichtungen wie Zelten und Lastkraftwagen zerstörten Boden? Wer übernimmt die Kosten?
5. Wie war es möglich, daß der Zirkus seit dem 2.11.17 seine Aufbauten in einem Landschaftsschutzgebiet errichten konnte, ohne von den zuständigen Ämtern der Stadt, des Landkreises oder des Regierungspräsidiums daran gehindert zu werden? Für LUBU und BUND gez. Elga Burkhardt

Die Anfrage ist übrigens bis heute (29.6.2018) von der Stadtverwaltung nicht beantwortet worden.

Ausschuß BTU 1.6.2017: Fahrradparkhaus auf der Stadtseite des Wohlfühlbahnhofs


Ein LUBU-Antrag wird wahr! Für die LUBU war der 1.Juni 2017 fast ein historischer Tag. Endlich soll auch auf der Stadtseite des Bahnhofs ein Fahrradparkhaus entstehen, sogar mit Werkstatt und Lagerfläche. Wir sind so begeistert, daß wir der Verwaltung verzeihen, daß sie es sorgfältig vermeidet, auf den entsprechenden LUBU-Antrag aus den Haushaltsberatungen 2013 hinzuweisen, der am Ende zu dieser Planung geführt hat.
Endlich werden die Fahrradlaternengaragen der Vergangenheit angehören, endlich besteht die Absicht, das Durcheinander von Fußgängern, Radfahrern und KFZ-Verkehr auf der Eingangsseite des Bahnhofs in die Innenstadt zu ordnen. Damit wird der Bahnhof nicht nur für Einheimische, sondern auch für Besucher der Stadt viel an Attraktivität gewinnen. Acht (in Worten acht!) Anträge der LUBU und 14 Jahre hat es gebraucht, nun wird das Parkhaus hoffentlich endlich wahr. Günstig für die Neuordnung vor und neben dem Bahnhofsgebäude wäre der Wegfall sämtlicher KFZ-Parkplätze. Hoffentlich sieht auch die Firma Doblinger diese Notwendigkeit ein.
Regionalverkehrsplan Stuttgart

Alte Kamellen

(4.Mai 2017) Die 17 Infrastrukturmaßnahmen des Entwurfs teilen sich in 10 für den Straßenausbau und 6 für eine Verbesserung des Schienenverkehrs auf, wobei es bei letzteren hauptsächlich um eine Trassenfreihaltung, nicht um konkrete Pläne geht Noch immer haben der Ausbau der Autobahn und einige Straßenprojekte wie der Nord-Ost-Ring Vorrang vor der Stärkung des Öffentlichen Nahverkehrs ÖPNV.
Die Einschätzung der Stadtverwaltung zur Trassenführung einer Schienenbahn in der Ludwigsburger Weststadt (Markgröningen-Kornwestheim) teilen wir nicht. Wir möchten die Untersuchung schriftlich bekommen, die dieser Bahnführung Unwirtschaftlichkeit bescheinigt. Sie ist nämlich 7 Jahre alt und damit längst nicht mehr aktuell.
„Diese Einschätzung ist umso bedenklicher, weil viele neue Arbeitsplätze in der Weststadt entstehen und gut erreicht werden sollen, was bei früheren standardisierten Untersuchungen nicht berücksichtigt worden ist.“ (Aus einer E-Mail eines Ludwigsburger Bürgers an Stadträtin Elga Burkhardt.)
Den Nord-Ost-Ring haben wir wegen seiner starken KFZ-Verkehrsauswirkungen auf die Ludwigsburger Oststadt und die Zerstörung von Freiflächen zwischen Kornwestheim und Waiblingen immer abgelehnt, ebenso den Tunnel in Eglosheim, der die Verkehrsprobleme der B 27 in andere Stadtteile verschiebt, aber weder löst noch wenigstens verbessert. Das ist keine nachhaltige Verkehrsplanung der angeblich so nachhaltigen Stadt Ludwigsburg, genauso wenig wie ein Tunnel unter dem Favoritepark, den die CDU wieder aus der Mottenkiste der Straßenplanung ausgegraben hat.
Wir meinen, daß die Verkehrsprobleme in der Region Stuttgart nicht durch einen Straßenring, sondern durch einen S-Bahn-Ring als Verbindung zwischen den größeren Städten rund um die Landeshauptstadt gelöst werden müssen. Deshalb haben wir im April 2017 den Antrag gestellt, die schon jetzt im Berufsverkehr genutzte ehemalige Güterbahnlinie zwischen Kornwestheim und Untertürkheim ganztägig auszubauen und damit auch den völlig überlasteten S-Bahntunnel zwischen Stuttgart Nordbahnhof und Universität zu entschärfen. Er wurde als Vorschlag der Stadt Ludwigsburg in die Fortschreibung der Regionalverkehrsplanung aufgenommen
Alles schwankt

Kreisverkehr am Salonwald

Im April 2015 war es in schönstem Verwaltungsdeutsch „das Ziel der Planung, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ertüchtigung des Knotenpunktes Aldinger/Danziger Straße zu schaffen.“ Die Rede war von der Kreuzung Danziger Straße/ Aldinger Straße/Königinallee im Südosten der Stadt Ludwigsburg. Die Verwaltung wurde damals vom Ludwigsburger Gemeinderat beauftragt, an dieser Stelle die Einrichtung eines Kreisverkehrs und einer ampelgesteuerten Straßenquerung mit Tempolimit gleichrangig zu prüfen. Nur sechs Monate später, am 22. Oktober 2015, bezeichnete der Chef des Ludwigsburger Planungsamtes, Martin Kurt, einen Kreisverkehr mit einem Durchmesser, der in den verschiedenen Verwaltungsvorlagen zwischen 36, 30 und dann wieder 33 Metern schwankte, als einzig sinnvolle Lösung für die Straßenkreuzung in der Nähe des Landschaftsschutzgebietes Salonwald. Auch die Zahl der zu fällenden Bäume schwankte. Erst waren es neun, nun sind es 20, die selbstverständlich alle krank sind. Aber Eingriffe in den Salonwald „sind sowieso im Verhältnis zur Größe des Waldes zu vernachlässigen“, wie die Verwaltug den Eingrff im Herbst 2015 kommentierte. Da war schon bekannt, daß Gutachter im Rahmen von Untersuchungen zum Klimaanpassungskonzept der Stadt Ludwigsburg dringend ans Herz legten, den wenigen Wald im Stadtgebiet aufzuforsten, nicht abzuholzen.

Schwankend waren auch die Aussagen zu den Finanzen: die Umgestaltung als Kreisverkehr sollte die Steuerzahler vor einem Jahr angeblich 725.000 Euro kosten, heute sind es laut Haushaltsplan 2017 über 1 Million Euro. Hoffentlich geht die Steigerung nicht im gleichen Tempo weiter, schrieben wir Anfang 2017.... Nun liegt das Ergebnis der Ausschreibung auf dem Tisch: über 2 Millionen Euro soll der Kreiselbau kosten. Die Ampelregelung wäre für 225.000 Euro zu haben gewesen.
Die beantragte Förderung ist nicht bewilligt worden.
Sowohl Anwohner als auch Umweltverbände haben sich gegen den Kreisverkehr an dieser Stelle ausgesprochen. Bürgermeinung zählt aber nur in den Fällen, in denen sie die bekanntlich immer richtige Meinung der Verwaltung übernimmt.
Die 20 Bäume sind in vorausschauendem Gehorsam schon gefällt worden. Der städtische „Fachbereich Grünflächen“ pflanzt selbstverständlich neue Bäume, nicht an der Aldinger Straße natürlich, sondern weit hinten im Osten hinter Oßweil in einem Landschaftsschutzgebiet, wo die Luft noch gut ist und deshalb verbessert werden muß. An der stinkenden Aldinger Straße gehen die Bäume sowieso ein, siehe oben, Begründung für die Baumfällungen im Salonwald.
Nicht vergessen: Ludwigsburg ist die nachaltigste Stadt mittlerer Größe in Deutschland, ausgezeichnet mit dem Nachhaltigkeitspreis 2014.

Klimaanpassungskonzept (KliK) Ludwigsburg

Kein Klick in den Köpfen

Im Mai/Juni 2016 beschloß der Ludwigsburger Gemeinderat ein „Strategisches Fachkonzept Klimaanpassung als informelle Planung“. Gemäß Paragraph 1, Absatz 6, Nummer 11 des deutschen Baugesetzbuches sollen Maßnahmen des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel seitdem in alle Abwägungsprozesse einfließen. Die Frage, wo diese Abwägung stattfindet, ob auf der Oberbürgermeisterebene, in den Fachbereichen der Verwaltung oder aufgrund von Alternativen in Gemeinderatsvorlagen in den Sitzungen der Bürgervertreter, ist bis heute unbeantwortet geblieben.
Der deutsche städtetag fordert seine Mitgliedsgemeinden auf, die Klimaanpassung bei allen Investitionen zu berücksichtigen.
Die Stadt Karlsruhe hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit den Konflikten zwischen Klimaschutz und Klimawandel und dem insbesondere bei Investoren vorhandenen Bedarf nach neuem (natürlich teurem, nicht etwa sozialem) Wohnungsbau offen auseinandersetzt.
Das Freiburger Büro faktorgrün hat die klimatisch besonders belasteten Stadtgebiete und die Defizite bei Wald- und Baumbestand in Ludwigsburg schriftlich aufgelistet und Vorschläge zu notwendigen Maßnahmen gemacht. Die Grundlagen für Abwägungsprozesse sind also allgemein bekannt.
Wie sieht die Umsetzung in die Tagesrealität aus?
Einige Beispiele wollen wir unseren Lesern und Leserinnen nicht vorenthalten.
1. Wettbewerb Bahnhof
Am 7.7.2016 diskutierte der Ausschuß Bauen, Technik, Umwelt BTU eine Beschlußvorlage zu einem Wettbewerb Bahnhofsareal, in dem das Thema „Grünplanung“ nicht einmal als Wort vorkam. Erst ein Antrag von Stadträtin Elga Burkhardt führte mit Unterstützung der Fraktionen dazu, daß jetzt die Teilnehmer des Wettbewerbs neben Ideen und Vorschlägen zur Bebauung auch qualifizierte Vorschläge eines Grünplaners abliefern müssen. Nebenbei: der behindertengerechte Umbau des Bahnhofs ist NICHT Teil des Wettbewerbs, nur der barrierefreie Umbau des Omnibusbahnhofs ZOB.
2. Umbau der Lindenstraße.
Zwischen Holzmarkt und Hospitalstraße wird nach mehr als achtjähriger Wartezeit die Lindenstraße saniert. Sie gehört zu dem Teil der Innenstadt, in der wegen starker Versiegelung im Klimakonzept keine neue Bebauung, sondern Verbesserung der Begrünung gefordert wird.

Ganz neue Handlungsweise gemäß KLiK: gesunde Bäume werden gefällt, damit die Straßenbauer freie Fahrt haben.

Das hieße z.B., in der Lindenstraße statt einer Baumreihe in der Mitte jeweils eine Baumreihe an beiden Straßenseiten zu pflanzen und auf diese einfache Art die Lindenstraße wieder als Allee herzustellen, wie es der Stadtgründer Eberhard Ludwig und sein Baumeister Leger vorgesehen hatten....und es übrigens bis 2004 auch im Alleenkonzept der Stadt Ludwigsburg nachzulesen war. Weder die Zahl der Parkplätze noch die Verbindung Marktplatz-Marstallcenter wären dadurch beeinträchtigt. Die Verwaltung wollte Geld sparen und beließ es bei der einreihigen Gestaltung, die wohl aus der geldarmen Nachkriegszeit stammt. Begründung: Die Lindenstraße gehöre nicht zu den denkmalgeschützten Ludwigsburger Alleen. Die Nachfrage des BUND, aus welchem Grund die östliche Lindenstraße (die westliche ist als Allee wieder hergestellt worden, genauso wie der Kaffeeberg, die östliche Verbindung in Richtung Schloß) irgendwann zwischen 1998 und 2004 aus dem Alleenkonzept des Landesdenkmalamtes und der Stadt Ludwigsburg herausgefallen ist, blieb bis heute unbeantwortet.
3. Kleingartenanlage Fromannkaserne
Seit vielen Jahren plant die Stadt Ludwigsburg auf Antrag der CDU die Umwandlung der Kleingartenanlage Fromannkaserne in der Weststadt in ein Gewerbegebiet. Dann wäre die letzte Baulücke entlang der Schwieberdinger Straße zwischen B 27 und Autobahn endlich geschlossen! Laut KLiK gehört die Weststadt zu den Stadtgebieten mit dem höchsten Grünflächenmangel. Der Handlungsbedarf zur Klimaverbesserung ist hier „sehr hoch“. Die Flächen der Kleingärtner sind Kaltluftentstehungsgebiet und Frischluftschneise (s. Plan aus KLiK). Ein Ziel des KLiK ist die Erhaltung der bedeutenden Kaltluftentstehungsgebiete und der Kaltluftleitbahnen - bisher nur in der Theorie, wie alle drei Fälle zeigen. Die Verwaltungsspitze hat mit dem Beschluß im Gemeinderat die formalen gesetzlichen Anforderungen erfüllt und einen Beschluß fassen lassen. Nun geht man wieder zu den alten Handlungsmustern über, als wäre nichts geschehen und würde auch in Zukunft nichts geschehen - keine Klimaerwärmung, keine Jahrhunderthochwasser beinahe in jedem Jahr, keine Redzierung des ungebremsten Flächenverbrauchs... (Fortsetzung folgt bestimmt!)

Ausschuß BTU 12.11.15: Radroute Marbacher Straße

Ökobilanz negativ

Grundsätzlich finden wir den Rückbau der Marbacher Straße zugunsten von Radwegen sinnvoll, weil er zu einer Reduzierung der Geschwindigkeit der Autofahrer führen wird. Dann brauchen wir dort keine Überwachungsanlagen mehr, was natürlich die Einnahmen in der Stadtkasse deutlich vermindern wird. Ob das der wahre Grund war, warum CDU und Freie Wähler den Umbau ablehnten?
Problematisch wird es erst bei der Betrachtung von einzelnen Teilen der Planung:
1. gemeinsame Bus- und Fahrradspur; wir hoffen, daß das Ludwigsburger Busunternehmen LVL diesmal wirklich in die Planung einbezogen wurde.
2. den weiteren Eingriff in die wenigen Verkehrsgrünflächen an der Marbacher Straße; wir sind nicht begeistert, wenn das wegen Lärm und Schadstoffen dringend nötige umweltfreundliche Grün wegen der umweltfreundlichen Verkehrsart Fahrradfahren noch weiter reduziert wird. Radspuren sollen grundsätzlich dem Autoverkehr weggenommen, bei jeder Planung eine ÖKO-Bilanz vorgelegt werden.
3. Die Weiterführung des Radwegs an beiden Enden ist in näherer Zukunft nicht zu erwarten, weder an der B 27 noch auf der Neckarbrücke.
3.1 Bedauerlich ist, daß die Neckarbrücke anscheinend nicht in die grundsätzliche Ludwigsburger Radwegeplanung einbezogen wurde, sonst müßte die anstehende Sanierung in anderer, weitaus umfangreicherer Form erfolgen, die natürlich sehr viel höhere Kosten verursachen würde. Der Stadt Ludwigsburg ist eine gute Rad- und Fußwegeführung auf der Brücke anscheinend zu teuer. Die Verantwortung für die jetzige unbefriedigende Planung schiebt sie auf das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde.
3.2 Was den gemeinsamen Fuß- und Radweg am Favoritepark und auf der Schloßseite angeht: die Weiterführung des bisherigen, von Fußgängern stark kritisierten Flickwerks kommt für uns nur infrage, wenn eine deutliche bauliche Trennung beider Bereiche erfolgt. Die Zeiten der "gemeinsamen", nur durch einen Strich getrennten Fuß-/Radwege müssen auch im konservativen Ludwigsburg endgültig vorbei sein!
Wir gehen davon aus, daß die Planer die kritischen Anmerkungen der Stadträte bei der nächsten Ausarbeitung berücksichtigen werden. Wenn nicht, besteht immer noch die Möglichkeit, den Baubeschluß abzulehnen. Am 12.11.2015 hat LUBU-Stadträtin Elga Burkhardt jedenfalls der Planung zugestimmt.
Kleine Anmerkung zur Berichterstattung in der Stuttgarter Zeitung: Frau Burkhardt hat dem Schreiber des Artikels mitgeteilt, daß sie sich nie anmaßen würde zu wissen, was die meisten Umweltschützer in Ludwigsburg denken und sagen und deshalb auch nie gesagt hat, daß "die meisten Umweltschützer in Ludwigsburg den Radweg ablehnen".

Kreisverkehr Aldinger Straße/Danziger Straße

Mit aller Macht

(22.10.2015) Am 29.4.2015 hat der Ludwigsburger Gemeinderat fast einstimmig beschlossen, daß die Verwaltung nicht nur die Planung eines Kreisverkehrs, sondern auch die Einrichtung einer ampelgesteuerten Straßenquerung mit Tempolimit gleichrangig prüfen solle. In der Vorlage, unterschrieben von Planungsamtschef Kurt, war nachzulesen, „daß die Verkehrsqualität bei beiden Lösungen vergleichbar ist“. Nur sechs Monate später war er der Meinung, daß allein ein Kreisverkehr die Sicherheit der Autofahrer und Radfahrer in der Aldinger Straße gewährleisten könne.
Obwohl der Gemeinderat angeblich der Souverän ist, dessen Beschlüsse die Verwaltung auszuführen hat, stellte Baubürgermeister Ilk bereits mit der nächsten Beschlußvorlage im Juli 2015 nur den Kreisverkehr zur Abstimmung.
Was sagt die Kommunalaufsicht dazu?

Kreuzung Osterholzallee-Gänsfußallee. Hier wäre ein Kreisel sinnvoll.

Bürgerbeteiligung Die von den Anwohnern vorgeschlagene Lösung einer Verbesserung der Signalisierung hat drei Vorteile:
1. Sie ist preisgünstiger als der von 36 Meter auf 30 Meter Durchmesser reduzierte neue Kreisel-Vorschlag.
2. Sie ist im Gegensatz zu einer Kreisverkehrsanlage jederzeit veränderbar, wenn sie sich nicht bewährt, d.h., wenn sie die Kreuzung für Radfahrer und Fußgänger nicht sicherer macht als bisher. Die Interessen der Autofahrer sind für uns nicht entscheidend.
3. Es ist kein Eingriff in den Salonwald nötig.
Herr Kurt hat der öffentlichkeit den Plan des Salonwaldes aus dem 18. Jahrhundert gezeigt, aufgrund dessen der Kreisverkehr fast eine historische Einrichtung im Sinne Herzog Eberhard Ludwigs ist. Leider war der alte Plan immer nur in einem Ausschnitt zu sehen, so daß wohl niemand daran gedacht hat, wieviel größer dieses Jagdgebiet des Herzogs einst war und wieviele Bäume uns die vielen, vielen Eingriffe der Vergangenheit gekostet haben, die im „Verhältnis zur Größe des Salonwaldes zu vernachlässigen waren“, wie die mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnete Ludwigsburger Stadtverwaltung meint.
Die Stadt geht mit ihren wenigen Wäldchen (Wald kann man diese vernachlässigten Reste nicht nennen) sehr verantwortungslos um.
Sie sollte auf die Grünplaner hören, die den geringen Waldbestand in Ludwigsburg laut beklagen. Der Salonwald sollte nicht weiter zu Gunsten der Autofahrer angeknabbert werden. Für die Gesundheit der Bürger wären Neuanpflanzungen wichtiger, die zum Beispiel mit dem gesparten Geld bezahlt werden könnten.
Es gibt im Ludwigsburger Kreisverkehrsprogramm aus dem Jahr 2008 (!) mehrere Kreuzungen, die aufgrund des Verkehrsaufkommens und der Unfallzahlen besser für einen Umbau geeignet wären.
Einige Beispiele: . Strombergstr./Markgröninger Straße in Eglosheim; Hindenburgstr./ Oststraße in der Oststadt; Osterholzallee/Gänsfußallee in der Weststadt.
Warum die Ludwigsburger Verwaltungsspitze so sehr an einem Kreisverkehr in der Aldinger Straße hängt, daß sie rechtliche Festsetzungen der Gemeindeordnung ignoriert, ist unverständlich.
Gibt es Pläne des Oberbürgermeisters, für die ein Kreisverkehr Voraussetzung ist? Geht es um die Macht im „Staate“ Ludwigsburg? Bei diesem Gedanken fällt einem immer der alte Scherz von Ex-Stadtrat Roland Kromer ein, der oft zitierte: „§1 der Gemeindeordnung lautet: die Verwaltung hat immer Recht, §2: wenn die Verwaltung einmal nicht Recht haben sollte, tritt §1 in Kraft.“

Stadtbahn in Ludwigsburg

Nachhaltigkeit ist ein schönes Wort

(5.10.15) Die ersten Pläne, eine Stadtbahn in der Schillerstraße zu bauen, waren wohl nicht ganz ernst zu nehmen.
Die Bahntrasse muß mindestens 6,40 Meter breit sein, die Schillerstraße in Ludwigsburg mißt von Hauswand zu Hauswand nur 13 Meter. Waren es seriöse Planer, die einen solchen Vorschlag auf den Tisch legten, ohne städtebauliche und historische Gesichtspunkte zu berücksichtigen? Ludwigsburg ist nun einmal eine Barockstadt, zu deren besonderem Innenstadtflair eine Stadtbahn, besonders eine Hochflurbahn, nicht paßt.

Stellen Sie sich hier statt der Daimlerstraße in Stuttgart die Schillerstraße in Ludwigsburg vor.
Weitere Entwürfe führten die Stadtbahn von Markgröningen nach Pattonville mit Abzweigung nach Oßweil über den Ludwigsburger Bahnhofsvorplatz. Der ist mit Zentralem Omnibusbahnhof (ZOB), Zufahrten zu diversen Parkhäusern, einer Radabstellanlage und dazwischen den Fußgängern, oft genug zu gescheuchten Hasen degradiert, eigentlich reichlich überfüllt.
Zuletzt schlug Oberbügermeister Spec BRT-Busse wie in Metz vor, die stadtbahnähnlich groß sind und „nicht so viele Autos von der Straße verdrängen wie die Schienen einer Stadtbahn“ (Klaus Herrmann, CDU).
Nach 10 Jahren mehr oder weniger sachlicher Diskussionen gewinnt man zwei Erkenntnisse:
1. Grundsatz der Ludwigsburger Verwaltungspitze scheint zu sein, derart unausführbare Pläne auf den Tisch zu legen, daß die Erörterungen bezüglich einer nachhaltig wirksamen Stadtbahn am Ende im Sande verlaufen.
2. An die Führung der Stadtbahn über die Schwieberdinger und Friedrichstraße überhaupt nachzudenken, ist verboten. Hier würde sie Industrieviertel mit Wohngebieten verbinden, die Arena (Spielhaus der Basketballer Neckarriesen Ludwigsburg) mit den Fans in den Umlandgemeinden vernetzen und die Anwohner der beiden hochbelasten Straßen von Dreck und Lärm befreien.
Aber das geht nicht - irgendwo muß der Autoverkehr in Ludwigsburg fließen, wenigstens manchmal außerhalb der Berufsverkehrszeiten.
Wir dürfen nicht vergessen, daß wir im Lande von Daimler und Porsche leben.

Plan der Arbeitsgruppe "Die B 27 wird zur Allee" zur Führung der Stadtbahn.

„Renaturierung und Aufwertung des Hohenecker Neckarufers - Uferwiesen II

Heuchelei

(9.8.15) Schon der Name, den die Ludwigsburger Verwaltungsspitze dem Vorhaben gibt, ist falsch. Es geht bei den 1,7 Millionen Euro teuren neu geplanten Umbaumaßnahmen am Neckar nicht um die Wiederbegrünung von versiegelten Flächen. Der ökologische und der bauliche Zustand des Neckarufers in diesem Teil Hohenecks sind völlig in Ordnung. Letzteres bestätigt auch das zuständige Wasserwirtschaftsamt Stuttgart.

Was soll hier ökologisch verbessert werden?

Der wahre Grund für die Umgestaltungsplanung besteht darin, daß die Stadt Ludwigsburg gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsflächen für ihre zukünftigen neuen Wohnbauprojekte braucht, die sogenannte Wohnbaulandoffensive von Herrn Oberbürgermeister Spec.
Ein Umweltprojekt am Wasser wird für den ökologischen Ausgleich besonders hoch bewertet, laut Herrn Exbaubürgermeister Schmid dreimal so hoch wie eine Obstbaumwiese.
Wir von der LUBU sind bekanntlich der Meinung , daß Ludwigsburg zunächst eine Flächennutzungsplanfortschreibung mit Landschaftsplan braucht, damit geklärt wird, wieviel knapper Boden noch überbaut werden soll und ob außer Bahnrändern und Friedhöfen in Ludwigsburg überhaupt noch Frei- und Grünflächen übrig bleiben werden. Wir haben die Zugwiesen und die Uferwiesen I nicht abgelehnt. Wir finden es aber nicht nachhaltig, vorhandene gute ökologische Vernetzungen wie in den Uferwiesen II zu zerstören, um an anderer Stelle wie z.B. zwischen Oststadt und Oßweil ebenso schöne Naherholungsflächen zu versiegeln und dafür auch noch reichlich Steuergelder auszugeben.

Schuppenwurz gedeiht nur noch in den Uferwiesen. Er braucht als Wirtspflanze die verpönte Pappel.


Das Geld könnte die Stadt zum Beispiel für Alleensanierungen oder für Grüne Wände an Hauptverkehrsstraßen sinnvoller und NACHHALTIGER investieren. (Nachhaltigkeit heißt übrigens gleichwertige Beachtung von wirtschaftlichen, sozialen und Umweltgesichtspunkten bei allen Vorhaben der Stadt!)
Wir erwarten, daß die zuständige Behörde auf Antrag der Stadt ein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren durchführt, damit auch die Umweltverbände an der Planung beteiligt werden.

BUND-Ortsverband Ludwigsburg

Stellungnahme des BUND Ludwigsburg zur Verkehrsplanung H4/B4

(vierspuriger Straßenneubau an der Bahn nach Asperg und entlang der Autobahn A 8 zwischen Kämpfenäcker und Autobahnanschluß Ludwigsburg Nord)

1. Ludwigsburg benötigt zur Lösung seiner Verkehrsprobleme eine nachhaltige Gesamtverkehrsplanung, die in eine Mobilitätsplanung der Region Stuttgart eingebunden ist.
2. In einer nachhaltigen Verkehrsplanung müssen gleichberechtigt untersucht werden: KFZ-Verkehr incl. LKW-Verkehr, Bus und Bahnverkehr, Fußgänger- und Radverkehr.
Es gibt in Ludwigsburg kein Fußgänger- und kein Radverkehrskonzept. Der Buslinienplan ist ca. 20 Jahre alt und berücksichtigt neue Wohnbaugebiete zu wenig. Die Stadt investiert zu viel Geld in den Autoverkehr wie z.B. in den Bau immer neuer Parkhäuser. Es bleibt kein Geld übrig für neue Buslinien und Taktverdichtung bestehender Linien.
3. Basis einer nachhaltigen Verkehrsplanung kann nicht die Verschiebung von Problemen aus einer Straße in die andere sein wie zum Beispiel aus der Frankfurter Straße in Eglosheim in die Hirschbergstraße oder andere Stadtgebiete wie die Innenstadt und die Stuttgarter Straße in der Südstadt. Aufbauend auf einer Analyse der bestehenden Lärm und Schadstoffbelastungen und der Stärken und Schwächen der genannten verschiedenen Verkehrsarten müssen Verbesserungsmöglichkeiten für die in Ludwigsburg an belasteten Straßen lebenden Menschen untersucht und die nachhaltigsten Ergebnisse ohne parteipolitische Rücksichten möglichst schnell umgesetzt werden, anstatt sie Jahrzehnte zu diskutieren und mit immer neuen kostenintensiven Untersuchungen eine Umsetzung auf die lange Bank zu schieben.


4. Punktuelle Pläne zur Förderung des KFZ-Verkehrs wie den vierspurigen Bau einer neuen Straße entlang der Bahnlinie nach Asperg (B 4) lehnen wir ab, weil die Gefahr besteht, daß eine solche Straße Ausgangspunkt für neue Gewerbegebiete zwischen Eglosheim und der Autobahn wird.
Die vierspurige Straße beginnt außerdem im Landschaftsschutzgebiet Marienwahl, das 1990 als Pufferzone für unser einziges Naturschutz- und FFH-Gebiet Favoritepark ausgewiesen wurde. Sie zerschneidet den Naturpark West. Eine solche Degradierung von geschützten und für die Gesundheit und Naherholung der Bevölkerung dringend notwendigen Grünzonen kommt für uns nicht infrage.
5. Eine autobahnnahe Ersatzstraße für die B 27 (H 4) ist nur unter folgenden Rahmenbedingungen zu akzeptieren:
5.1 Sie nimmt den KFZ-Durchgangsverkehr der B 27 aus der gesamten Stadt Ludwigsburg heraus, indem sie bei den Autobahnanschlußstellen Ludwigsburg Nord und Ludwigsburg Süd ansetzt.
5.2 Schon aus Raumgründen - einige Gebäude in Eglosheim Hirschberg und Asperg Ost liegen sehr dicht an der Autobahn - darf sie unter allen Umständen nur zweispurig sein.
5.3 Zeitgleich mit der Bauplanung der neuen B 27 beginnt der Rückbau der bestehenden B 27 auf zwei Spuren.
5.4 Im Bereich der Wohnbebauung Hirschberg und der betroffenen Landschaftsschutzgebiete muß die Straßenführung im Tunnel oder eingehaust erfolgen, was sich auch aus topografischen Gründen anbietet.
5.5 Die außerhalb der genannten Planungen verbleibenden restlichen Freiflächen zwischen B 27 und Autobahn werden zu unüberbaubaren Flächen erklärt und mittels einer Vernetzungsplanung (Begrünung) ökologisch aufgewertet.
5.6 Unabhängig von der Terminierung bei der Gesamtverkehrsplanung Ludwigsburg sollten zeitnah alle nur möglichen Verbesserungen beim Bus- und Bahnverkehr, beim Rad- und beim Fußgängerverkehr realisiert werden. Zum Beispiel sollte sich die Stadt um eine Teilnahme beim Fußverkehrs-Check des Landesverkehrsministerium bewerben (Antrag der LUBU).

Offener Brief an die Stadtverwaltung Ludwigsburg und an das Landratsamt Ludwigsburg, FB 26, Forsten

Betr. Landschaftsschutzgebiet Fischerwäldle in Ludwigsburg

hiermit beantragen wir gemäß § 5 des Landeswaldgesetzes Baden-Württemberg zur Ordnung und Verbesserung der Waldstruktur im Fischerwäldle die Durchführung einer forstlichen Rahmenplanung mit dem Ziel, die nach § 1, Nr.1 des Waldgesetzes notwendigen Funktionen des Waldes zu sichern.
Aus den Grundsätzen der forstlichen Rahmenplanung: „Wald ist nach seiner Fläche und räumlichen Verteilung so zu erhalten oder zu gestalten, daß er die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes möglichst günstig beeinflußt, dem Schutz vor natürlichen Gefahren (Hangsicherung!) dient und der Bevölkerung möglichst weitgehend für die Erholung zur Verfügung steht....“
Begründung unseres Antrags: Auch bei einer Fällung von 40 oder weniger Prozent der Bäume im Fischerwäldle halten wir wegen der bekannten Waldarmut in Stadt und Kreis Ludwigsburg eine Nachpflanzung gemäß einer Rahmenplanung für notwendig.

Höchste Instanz: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Zum Schreiben der Stadt Ludwigburg vom 21.4.2015 an unser Vorstandsmitglied Werner Brekle stellen wir folgendes fest: Die Verkehrssicherung ist zwar eine wichtige, aber nicht die einzige Pflicht eines Waldbesitzers, in diesem Fall im Wesentlichen der Stadt Ludwigsburg. Wir verweisen dazu auf das Urteil vom 2.10 2012 des Bundesverwaltungsgerichtes in einem Revisionsfall, in dem es heißt:
„Das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken ist Jedermann gestattet. Die Benutzung des Waldes geschieht jedoch auf eigene Gefahr. Dem Waldbesitzer, der das Betreten des Waldes dulden muß, sollen dadurch keine besonderen Sorgfalts- und Verkehrssicherungspflichten erwachsen. Er haftet deshalb nicht für waldtypische Gefahren, sondern nur für Gefahren, die im Wald atypisch sind. Dazu zählen insbesondere die Gefahren, die nicht durch die Natur bedingt sind. Die Gefahr eines Astabbruchs ist dagegen grundsätzlich eine waldtypische Gefahr. Sie wird nicht deshalb, weil ein geschulter Baumkontrolleur sie erkennen kann, zu einer im Wald atypischen Gefahr, für die der Waldbesitzer einzustehen hätte.“
Bitte lassen Sie uns Ihre Stellungnahme zu unserem Antrag baldmöglichst zukommen.
Mit freundlichen Grüßen i.A. Elga Burkhardt, BUND Ortsverband Ludwigsburg

Deutschlands nachhaltigste Stadt mittlerer Größe

(15.3.2015) Diesen Titel erhielt die Stadt Ludwigsburg im November 2014 von einem Gremium zugesprochen, das im Wesentlichen aus Dienstleistern der (deutschen) Städte (ICLEI, Städtetag), Wirtschaftsvertretern und Vertretern der Bundesregierung besteht. Basis der Preisverleihung war die Selbstdarstellung der Ludwigsburger Verwaltungsspitze. Die Einwohner der Stadt und die örtlichen Umweltverbände wurden nicht befragt.
Wir vom BUND Ludwigsburg nehmen uns die Freiheit, die Schau der Stadtverwaltung Ludwigsburg mit ein paar Fakten zu hinterfüttern.

Auf welcher Basis ermittelte die Preisverleihkommission die Preisträger?

Zunächst sollten die sich bewerbenden Städte die für ihre Gemeinde besonders zutreffenden ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen sowie die verfolgten Nachhaltigkeitsstrategien nennen. Anschließend konnten in 6 Themenfeldern -Verwaltung, Klima und Ressourcen, Mobilität und Infrastruktur, Wirtschaft und Arbeit, Bildung und Integration sowie Lebensqualität und Stadtstruktur - konkrete Maßnahmen beschrieben werden. Wir veröffentlichen nachstehend die Eigenbewertung der Stadtverwaltung zu Herausforderungen und Nachhaltigkeitsstrategien in Ludwigsburg und zu den einzelnen Themenfeldern, die in den Bewerbungsunterlagen nachzulesen sind, und unseren Kommentar dazu:

Verwaltung : Seit 2004 arbeitet die Stadt intensiv an einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dabei stehen nicht immer Leuchtturmprojekte im Vordergrund, sondern die Absicht, das gesamte Verwaltungshandeln an Zielen der Nachhaltigkeit auszurichten.
Um eine Verankerung auf allen Ebenen sicherzustellen, passt die Barockstadt ihre Verwaltungsstruktur kontinuierlich an.
Den Kern der Entwicklungen bildet das Stadtentwicklungskonzept (SEK), das mit breiter Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde. Die Erfolge werden durch ein Set von Indikatoren gemessen. Somit wird sichergestellt, daß es nicht bei guten Absichten bleibt.
Um die Aktualität des SEK zu gewährleisten, finden alle drei Jahre Zukunftskonferenzen statt. Hier werden gemeinsam mit den Bürgern Maßnahmen überprüft und das SEK überarbeitet. Der zentrale Akteur bei der Durchführung dieses integrierten Managementkreislaufes ist das 2008 geschaffene Querschnittsreferat für Nachhaltige Stadtentwicklung, welches direkt dem Oberbürgermeister zugeordnet ist.

LUBU-Stellungnahme: Es fällt auf, daß der Bewerbungstext der Stadt mit Fremdwörtern überladen ist. Viele Menschen verstehen diese „Assistentensprache“ nicht. Außerdem ist die Bedeutung im Deutschen auslegbar. Beispiel: das vielgenutzte Wort „integrieren“ bedeutet 1. einbeziehen, eingliedern, 2. Teile zu einem Ganzen verbinden; 3. das Integral berechnen.
Die „Anpassung“ der Verwaltungsstruktur besteht im Abbau von Stellen ohne vorherige Aufgabenkritik.
Die „Indikatoren“ (Stoffe, die eine chemische Reaktion anzeigen) wurden nur im Gemeinderat diskutiert und beschlossen.
Mit einer Ausnahme („Die B 27 wird zur Allee“) haben alle Bürgerarbeitsgruppen aus den drei ersten Zukunftskonferenzen ihre ehrenamtliche Betätigung inzwischen beendet, weil sie von der Stadtverwaltung nicht unterstützt wurden.

Klima und Ressourcen: Innerhalb dieses integrierten Managementkonzeptes hat die Stadt Ludwigsburg erfolgreiche Einzelprojekte integriert. So wurden am Flussufer des Neckars 17 ha Fläche renaturiert und in eine ursprüngliche Auenlandschaft zurückgebaut, welche Lebensraum für vielfältige Pflanzen- und Tierarten schafft.
Im sogenannten „Grünen Zimmer“ sind im Ludwigsburger Rathaushof 140 qm innerstädtische Vegetationsfläche entstanden. Die Schaffung von innovativen Klimakomfortzonen soll in Zukunft für Abkühlung in einer Zeit der globalen Erwärmung sorgen und die vielfältige Pflanzenwelt im Stadtkern integrieren.

LUBU-Stellungnahme: Eine Stadt ist kein Konzern mit einem Management an der Spitze und der Aufgabe, für die Aktionäre möglichst hohe Gewinne zu erzielen.
Ob die Zahlen „17 ha“ und "140 qm" stimmen, ist uns unbekannt. Das Wort „renaturiert“ jedenfalls ist falsch, weil die umgestalteten „Zugwiesen“ und die „Uferwiesen I“ am Neckar niemals eine Auenlandschaft waren, sondern eine einfache Naherholungsfläche für viele Menschen aus Ludwigsburg und der Umgebung. Ihre bauliche Veränderung hat ca. 6 Millionen Euro gekostet.
Der Einsatz von so viel Geld muß sich lohnen. Die Flächen dienen jetzt nach der Umgestaltung als -gesetzlich vorgeschriebene- Ausgleichsflächen für neue Wohnbaugebiete in Ludwigsburg wie die „Neckarterrassen“, die „Tammer Straße“, die „Hartenecker Höhe“... und zukünftige Planungen.
Weitere große Neubaugebiete aus den letzten Jahren finden Sie weiter unten.
Die LUBU möchte übrigens von der Stadtverwaltung wissen, wieviel Quadratmeter wertvollen Ludwigsburger Bodens zwischen 2004 und 2015 mit Wohngebäuden, Gewerbeeinrichtungen und Straßen neu versiegelt wurden.
Das „Grüne Zimmer“ wurde mit EU-Fördergeldern finanziert, obwohl es in anderen Städten (Dresden) bereits Untersuchungeren und Ergebnisse zur CO2-Reduktion dieser künstlichen Aufbauten gibt. Sie bestehen aus wenigen Pflanzenarten. Von „Vielfältigkeit“ kann keine Rede sein. Das "Grüne Zimmer" steht auf einem dafür aufgegebenen Kinderspielplatz in einem Fußgängerbereich der Innenstadt und ist an dieser Stelle als Untersuchungsbeispiel für „Klimakomfort“ völlig ungeeignet.

Wirtschaft und Arbeit: Dass auch im Bereich Wirtschaft nachhaltig agiert wird, zeigt die Integration der Wirtschaftsförderung in das Referat für Nachhaltige Stadtentwicklung. Die Existenzgründerquote in der Stadt ist fast doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt Baden-Württembergs.
Das Deutsche Corporate Social Reponsibility Forum ist hervorzuheben. Es findet seit Jahren in Ludwigsburg statt und ist das größte seiner Art im deutschsprachigen Raum.

LUBU-Stellungnahme: Die Wirtschaftsförderung im Referat „Nachhaltige Stadtentwicklung“ hat nach eigener Aussage des Referates eindeutig Vorrang vor den Aufgaben der Nachhaltigkeit. Das ist auch an Stellungnahmen zu umweltbelastenden Verkaufsstättenerweiterungen (z.B. Möbellutz-XXL) eindeutig nachzuweisen.

Mobilität und Infrastruktur: Auch in Sachen Mobilität fährt Ludwigsburg voran und gilt als nationales Schaufenster für E-Mobilität.
LUBU-Stellungnahme: Außer der Förderung von E-Autos und E-Fahrrädern gibt es in Ludwigsburg keine nachhaltigen Mobilitätskonzepte. Vor allem fehlt ein Fußgängerkonzept.

Bildung und Integration: Zudem bietet Ludwigsburg spannende Initiativen im Bereich Bildung wie z.B. die Ludwigsburger Musikimpulse, die jedem Kind ab 4 Jahren einen niederschwelligen Zugang zu musikalischer Bildung ermöglichen, oder das eigens erarbeitete „Ludwigsburger Modell“ zur Sprachförderung an Schulen.
LUBU-Stellungnahme: Die musikalische Früherziehung wird in Ludwigsburg seit bald 40 Jahren praktiziert.
Die letzte nachprüfbare Aussage zum Thema Sprachförderung war im Jahr 2010: 40 % aller Viertklässler können nicht richtig deutsch sprechen und schreiben.

Lebensqualität und Stadtstruktur: Alle genannten Beispiele folgen einem integrativen Ansatz. Denn die einzelnen Politikfelder sind ebenfalls vernetzt. So richtet sich zum Beispiel die Wohnungspolitik nicht nur daran aus, Wohnraum zu schaffen. Sie stärkt darüber hinaus gezielt die Sozialstruktur in den Stadtbezirken, gerade auch im Sinne von Integration und Bildungsgerechtigkeit.
LUBU-Stellungnahme: Die in den letzten Jahren realisierten großen neuen Wohnbaugebiete in Ludwigsburg, „Rotbäumlesfeld“, „Am Wasserfall“ (auf Obstbaumwiesen), “Jahnstraße“,„Tammer Straße“, „Sonnenberg“, „Hartenecker Höhe“, „Neckarterrassen“, waren gemäß Aussagen von Oberbürgermeister Spec dazu bestimmt, durch hochwertigen, sprich teuren, Wohnungsbau gut verdienende Bürger in Ludwigsburg anzusiedeln und dadurch den Anteil der Stadt an der Einkommensteuer zu erhöhen.

Naturschutzrecht

Recht und Unrecht

(4.2.15) Seit Ende Januar 2015 werden im Naturschutzgebiet Favoritepark in Ludwigsburg Bäume gefällt. Sie sind 20 bis 100 Jahre alt, einheimische Gewächse, die in den Hudewald passen, und, so weit sichtbar, ganz gesund.

Der zuständige Förster erklärt neugierigen Parkbesuchern, daß die abgeholzten Flächen als Wald gelten, der forstwirtschaftlich bearbeitet werde und die Fällungen nicht in erster Linie an naturschutzfachlichen Zielen ausgerichtet seien. Die Bodenverdichtung durch die „Vollernter“ genannte Abholz-Maschine bezeichnet er als „nicht zu vermeiden“.
Die Festsetzung einer Fläche als "Naturschutzgebiet" hat im deutschen Naturschutzrecht einen besonders intensiven Schutz von Natur und Landschaft zum Ziel.Im Naturschutzgebiet hat der Naturschutz laut Gesetz grundsätzlich Vorrang vor anderen Nutzungsarten. Das Gebiet unterliegt sogar einem absoluten Veränderungsverbot.
Wir vom BUND Ortsverband haben das Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Behörde aufgefordert, uns die Diskrepanz zwischen Gesetz und Handeln der Verantwortlichen zu erklären. Gibt es aus irgend einem Grund eine Sondergenehmigung? Oder bringt das gute Holz nur Geld in die Landeskasse? Oder braucht das Ludwigsburger Holzheizkraftwerk in der Südstadt Futter?

Vollernter (Foto Conrad Fink)

Das vom BUND informierte Regierungspräsidium Stuttgart, Abteilung Natur- und Landschaftsschutz, hat sich bisher zu dem Fall noch nicht geäußert. Vielleicht will man erst das Ende der außerordentlichen Aktion abwarten?!

Lärm und Gesundheit

Ein Trauerspiel nicht von Schiller, sondern von Spec:

Schwarze und Grüne Wände oder „Das Brett vor dem Kopf."

Es treten auf:
1. Gesetzgeber und Verkehrslärm
Wenn die Stadt Ludwigsburg ihre gesetzlichen Aufgaben ernst nehmen würde, müßte es seit dem Jahr 2010 einen „Lärmaktionsplan“ geben. Im Jahr 2005 nämlich wurde eine „EU-Umgebungslärmrichtlinie“ durch Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes in deutsches Recht umgesetzt. In §§ 47a-f des Gesetzes wird gefordert:
- Ermittlung der Belastung anhand von Lärmkarten. Das ist in Ludwigsburg geschehen.

Lärmkarte Ludwigsburg: Nachtlärm
- Aufstellung von Lärmaktionsplänen unter Mitwirkung der Bürger/-innen mit dem Ziel, Lärm dort zu vermindern oder Lärmsteigerungen dort zu verhindern, wo gesundheitliche oder sonstige schädliche Auswirkungen zu erwarten sind. Bereiche für die Aufstellung von Lärmaktionsplänen sind z. B. Hauptverkehrsstraßen in Gemeinden, die Teil eines Ballungsraumes sind. Gemeinden sind also Hauptverantwortliche für die Aufstellung von Lärmaktionsplänen, die alle 5 Jahre aktualisiert werden sollen.
In Ludwigsburg existiert auch im Jahr 2014 kein Lärmaktionsplan, obwohl mindestens an der Bundes(Autobahn-)straße B 27 (Frankfurter/Schloss-/Stuttgarter Straße) und an der Landesstraße 1140 (Friedrichstraße/Schwieberdinger Straße) dringender Handlungsbedarf besteht.

2. Gemeinderat und Verkehrslärm
Die CDU-Fraktion war schon immer und ist auch im Jahr 2014 gegen eine nächtliche Tempo-Begrenzung auf den beiden Hauptverkehrsachsen L 1140 und B 27, vermutlich, weil der Antrag dazu von LUBU-Stadträtin Elga Burkhardt gestellt wurde. Die Grünen und die SPD sind eigentlich auch für Tempo 30, aber mehr in Nebenstraßen und nur in Teilbereichen, bloß nicht zu eindeutig. Die Freien Wähler und die FDP setzen sich weiterhin für eine Umgehungsstraße durch die noch unbebauten Gebiete zwischen Waiblingen und Kornwestheim ein, den sogenannten Nord-Ost-Ring. Das hätte auch die von ihnen bisher verschwiegene Folge, daß in den vom Nord-Ost-Ring erschlossenen Gebieten später Bebauung durch Gewerbe und Wohnen möglich, ja unausweichlich ist, denn die hohen Kosten des Straßenbaus müssen sich natürlich rechnen.

3. Stadtverwaltung Ludwigsburg mit dem umweltfreundlichen Oberbürgermeister Spec an der Spitze und Verkehrslärm
3.1 Sie erstellt Broschüren, in denen sie ihr Engagement für den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) darstellt.
Die Finanzierung einer Buslinie in das Neubaugebiet „Neckarterrassen“ in Neckarweihingen (180.000 Euro) im Haushaltsplan 2014 lehnt sie aber wegen der Höhe der Kosten ab. Zur gleichen Zeit erhalten die verschiedenen Parkhäuser der Stadt einen Jahreszuschuß von 500.000 (2012) als Ausgleich für ihr Defizit.
3.2 Sie genehmigt 140.000 Euro für 200 Meter „Flüsterasphalt“ auf der B 27 in Eglosheim zwischen Monrepos- und Katharinenstraße. Dazu Fachleute vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg: „Die Investitionskosten für den im Volksmund „Flüsterasphalt“ genannten offenporigen Asphalt (opA) betragen leicht das Doppelte von Standard-Asphalt. Die Lärmminderung wird schnell wieder geringer, wenn der opA verdichtet ist.“ Das wird auf der B 27 beim dort vorhandenen hohen Anteil des LKW-Verkehrs rasch der Fall sein. Die mitten durch Ludwigsburg führende B 27 ist eine gern genutzte Straße zur Umgehung der Autobahn-Maut.

Seit 2011 ist ein „Splitt-Mastix-Asphalt“ auf der B 10 zwischen Stuttgart und Uhingen in der Erprobung, der Lärm angeblich „dauerhaft“ reduzieren soll. Solange sein Einsatz nicht genehmigt ist, muß aber der technisch unzulängliche teure, nach kurzer Zeit bröselnde offenporige Asphalt weiter verwendet werden.
3.3 Oberbürgermeister Spec beantragt öffentliche Zuschüsse für ein EU-Forschungsprojekt „Grüne Wände“. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Stuttgart und der Firma „Helix Pflanzensysteme“ (Kornwestheim) soll die Wirkung von vorgefertigten Pflanzkästen auf das Stadtklima untersucht werden.
Jeder umweltbewußte Mensch freut sich. Endlich ist das Ei des Kolumbus für die Stadtautobahnen in Ludwigsburg gefunden! Eine Erprobung der „Grünen Wände“ an der Friedrichstraße oder der Stuttgarter Straße wird ganz neue Erkenntnisse über Lärmreduktion und Luftschadstoffminderung durch „Hecken am laufenden Meter“ bringen. Alle LUBU-Anträge auf Baumpflanzungen zur Luftschadstoffreduzierung an belasteten Straßen scheiterten bisher an der stereotyp wiederholten Aussage der Verwaltung: zu wenig Platz, zu teuer wegen der im Untergrund vorhandenen Kanäle und Stromleitungen.
Die Ludwigsburger Kreiszeitung titelte denn auch sofort in nimmermüder Begeisterung für Spec’sche Leuchttürme: „Grüne Wände sollen das Stadtklima retten.“
Beim Nachhaken stellte sich einmal mehr heraus: Luftballon statt Leuchtturm.
Erstens wird der für den Test vorgesehene Platz südlich des Kulturzentrums bisher als öffentlicher Kinderspielplatz genutzt. Er ist der einzige in der ganzen südlichen Innenstadt, nachdem in den vergangenen Jahren mehrere Spielflächen durch Überbauung ersatzlos verschwunden sind. Von besonderer Lärm- oder Luftschadstoffbelastung kann hier im Fußgängerbreich natürlich nicht die Rede sein, es sei denn, der Oberbürgermeister stört sich an den Geräuschen der kletternden oder schaukelnden Kleinkinder.
Zweitens hat die Firma „Helix Pflanzensysteme“ die Wirkung ihrer „Hecken am laufenden Meter“ längst untersuchen lassen. Die Technische Universität Dresden veröffentlichte bereits im Jahr 2012 Untersuchungsergebnisse über Lärmreduktion und Klimaverbesserung durch „Grüne Wände“, die übrigens sehr beeindruckend sind.

Teil einer Grünen Wand
Bleibt die Frage, warum noch einmal Steuergelder für Untersuchungen ausgegeben werden sollen, die niemand neue Erkenntnisse und keinem Bürger/keiner Bürgerin irgendeine Verbesserung seiner Lebensqualität bringen.

4. Bundesumweltministerium und Verkehrslärm
„Durch Lärmbekämpfung wird die Gesundheit der Bevölkerung verbessert und die Lebensqualität erhöht. Es lassen sich erhebliche Standortvorteile und kommunale Steuermehreinnahmen erzielen. Stellt man diese den Kosten für die Lärmminderung gegenüber, so ergibt sich eine Verzinsung der für die Lärmreduzierung eingesetzten Steuergelder von deutlich mehr als 6 Prozent.
Außerdem bedeuten Lärmminderungsmaßnahmen, die in der Regel beim (Kraftfahrzeug)Verkehr ansetzen, in aller Regel auch
- Verbesserung der Luftqualität und
- Verbesserung der Verkehrssicherheit.
Lärmminderung erzeugt also Synergien zu anderen Zielen und Handlungsfeldern der Kommunen.“
Diese Aussagen findet der interessierte Leser im Internet unter Bundesumweltministerium, Projekt „Silent City“. Synergie ist ein griechisches Wort und bedeutet ein Zusammenwirken von Lebewesen, Stoffen oder Kräften im Sinne von „sich gegenseitig fördern zum Zweck eines daraus resultierenden gemeinsamen Nutzens.“
Wann endlich wird die Stadtverwaltung Ludwigsburg diese uralte Erkenntnis zur Basis ihrer Arbeit für die Zukunft der Stadt und ihrer Bürger/-innen machen?

5. Regierungspräsidium Stuttgart und Verkehrslärm Ein Regierungspräsidium hat als Aufsichtsbehörde der ihm unterstellten Städte und Gemeinden für die Einhaltung der gesetzlichen Aufgaben zu sorgen, zum Beispiel für die Erarbeitung eines Lärmaktionsplanes (siehe Szene 1).
Die Behörde unter Regierungspräsident Schmalzl bleibt in unserem Trauerspiel unsichtbar.

Bretter entfernen!
In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, daß in der Straßenverkehrsordnung StVO von 2013 eine Kehrtwendung gegenüber den bisherigen Grundsatzen enthalten ist: nicht mehr die Flüssigkeit des Verkehrs ist das wichtigste Entscheidungskriterium, sondern die Sicherheit.
Am 6. November 2013 hat Professor Kölz im Gemeinderat auf der Basis eines Landes-Programmes zur Förderung der umweltfreundlichen Verkehrsarten Vorschläge zur Ludwigsburger Radverkehrsplanung vorgestellt. Die Stadtplanung sollte bei den notwendigen weiteren Untersuchungen mindestens für die Innenstadt das Thema „Radverkehr“ mit dem Thema „Tempo-30-Zonen“ vernetzen.

Alles Schaum

(12.3.11) Der Flächennutzungsplan der Stadt Ludwigsburg stammt aus dem Jahr 1984. Er wird neuen Bebauungsplänen nach ihrer Aufstellung angepaßt. Laut Bundesbaugesetz muß die Reihenfolge umgekehrt sein, erst Flächennutzungsplanfortschreibung mit Landschaftsplan, dann Bebauungsplanaufstellung. Aber für Ludwigsburg gelten anscheinend andere Gesetze als im übrigen Deutschland.
Seit dem Jahr 2004 wird ein „Grünleitplan“ als Vorstufe zu einem Landschaftsrahmenplan diskutiert. Die Umweltverbände und die Vertreter der Landwirtschaft haben in zwei Diskussionsrunden ihre Meinung geäußert. Weil die Bauern der Meinung sind, daß Grünflächen im bebauten Stadtgebiet und nicht auf ihren Äckern ausgewiesen werden sollten, ist die Beschlußfassung über die Pläne ins Stocken geraten.
Da aber im Gemeinderat mit einer Mehrheit aus CDU, Freien Wählern und SPD ständig neue Bebauungspläne beschlossen werden, müssen wegen der neueren Baugesetzgebung Ausgleichsflächen ausgewiesen werden. Am Ort des Bebauungsplans bleibt meist nur Dachbegrünung. So wurden aus einzelnen, weit weg gelegenen Flächen wie den Zugwiesen am Neckar Ausgleichsflächen für die neuen Wohngebiete Gegen Eich (Oßweil), Jahnstraße (Poppenweiler), Hartenecker Höhe(Oßweil), Am Wasserfall(Pflugfelden) und Tammer Straße (Eglosheim).
Offiziell allerdings sind die Zugwiesen ein Teil der ökologischen Neckarverbesserungsmaßnahme IKONE zur Anlegung von Fischtreppen.
Mit der Neubepflanzung des Grünzugs Pflugfelden, Ausgleich für Gewerbeflächen in der Weststadt, stiegen erstaunlicherweise die Verkaufspreise der angrenzenden Wohnbaugrundstücke.

Durch dieses Naherholungsgebiet sollen zwei große Straßen gebaut werden.

Der Naturpark West, die letzte große Freifläche im Ludwigsburger Westen zwischen den Bahnlinien nach Asperg und nach Markgröningen, ist ein offizielles Agenda-Projekt auf der Web-Seite der Stadt Ludwigsburg. Im Jahr 2008 wurde auf Betreiben von Oberbürgermeister Werner Spec und der CDU der Bebauungsplan “Strombergstraße“ für eine zweispurige "Verbindungsstraße" zwischen Eglosheim und der Weststadt beschlossen, in dem als „Option“ eine vierspurige bahnnahe (Bahn-Linie Stuttgart-Bietigheim-Heilbronn) Verbindungsstraße zwischen der B 27 in Eglosheim und der Autobahn A 8 mit neuem Autobahnanschluß enthalten ist. Beide Straßenplanungen führen mitten durch das Agenda-Projekt, eine von Nord nach Süd, die andere von Ost nach West. Stadträtin und BUND-Vorsitzende Elga Burkhardt wies Stadtverwaltung und Gemeinderat darauf hin, daß beide Projekte sich nicht miteinander vertragen und man sich im Rahmen des Grünleitplanes für eines entscheiden müsse.
Eine Baumschutzsatzung gibt es in Ludwigsburg nicht. Jedes Jahr werden mit der Begründung der „Verkehrssicherung“ eine große Zahl älterer und deshalb ökologisch besonders wertvoller Bäume gefällt. Wenn man die Zahlen der Stadtverwaltung zum Thema „Neupflanzung“ genauer anschaut, stellt man fest, daß die meisten Bäume in den Neubaugebieten gesetzt werden, also von den Investoren bezahlte Ausgleichsmaßnahmen sind, die den Verkauf der Häuser und Wohnungen attraktiver machen sollen. Für Baumpflegemaßnahmen stehen dem zuständigen Fachbereich jährlich 50.000 Euro zur Verfügung, ein Nasenwasser, wenn man allein an die 23 stadtgeschichtlich bedeutenden und für die Natur in der Stadt unersetzlichen Alleebäume denkt.
Selbst die Aussage, daß das Pflanzgut für das Naherholungsgebiet „Hungerberg“ aus einheimischer Produktion stamme, entspricht nicht der Wahrheit.

Naturdenkmalpflege in Ludwigsburg-Neckarweihingen

(26.10.10) Schüler und Schülerinnen des Mörikegymnasiums, Teilnehmer der BUND-Kindergruppe und Mitglieder des BUND-Ortsverbandes Ludwigsburg versammelten sich in der Morgenkühle eines sonnigen Herbsttages, um zum achten Mal die Magerrasenwiesen im Gewann Gschnait in Neckarweihingen von Unterholz und Graswuchs zu befreien. Die Arbeit erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Ökologie der Stadt Ludwigsburg. In früheren Zeiten lieferten diese Flächen Viehfutter für die Bauern und blieben ungedüngt. Heute ist der Bewuchs auf den trockenen und nährstoffarmen Böden besonders im Frühsommer reich an blühenden Kräutern wie Knabenkraut und Kronwicke.

Viele auf der roten Liste stehende Tierarten von Fledermäusen über verschiedene Eidechsenarten bis zu Grauspechten finden hier Nahrung und Unterschlupf. Weil aber heute kein Landwirt mehr zusätzliches Grünfutter für seine Stalltiere braucht, droht dem geschützten Wiesenbiotop die Verbuschung. Hartriegel, Brombeeren und Weißdorn wachsen rasch und ersticken Orchideen und Schlüsselblumen. Diese wichtige Aufgabe der Grünpflege wird von den beteiligten Kindern und Erwachsenen ehrenamtlich nur gegen ein Vesper und ein Getränk gemacht. Sie wird auch vom angrenzenden Schützenverein Neckarweihingen gern gesehen, wie der Vorsitzende nach der letzten Aktion zum Ausdruck brachte.

LUBU-Antrag: Tempo 30 auf der B 27

Klimaschutz beginnt in der Gemeinde

In Kirchheim am Neckar müssen die Autofahrer künftig nachts ihr Tempo verringern, wie die Stuttgarter Zeitung am 13. Oktober 2010 berichtete. Auf einem innerörtlichen Teilstück der Bundesstraße 27 wird die Höchstgeschwindigkeit künftig 30 statt 50 Stundenkilometer betragen. Ob die Einhaltung kontrolliert wird, stand nicht in der Presse, sollte aber selbstverständlich sein.
Stadträtin Elga Burkhardt (LUBU) fand den Gedanken nachahmenswert, daß sich ein Stadtoberhaupt beim Regierungspräsidium für die Nachtruhe seiner Bürger und Bürgerinnen einsetzt. Sie beantragte deshalb, daß Oberbürgermeister Werner Spec eine Überprüfung der Ludwigsburger Teilstrecken der Bundesstraße 27 auf mögliche Tempo-30-Festsetzungen beantragen solle. Der größte Teil der angrenzenden bebauten Stadtbereiche ist nämlich in diversen Bebauungsplänen als Wohn- und Mischgebiet festgelegt.

Radfahren in Ludwigsburg

Gleichberechtigung

(20.5.09) Ludwigsburg ist eine Stadt für Autofahrer. Wenn sich Bürger in der Presse darüber beschweren, daß sie als Falschparker oder Schnellfahrer vom städtischen Vollzugsdienst „abgezockt" werden, so zeigt das, was manche PKW-Besitzer in der Stadt aus langjähriger Gewöhnung als ihr gutes Recht ansehen: Ungehindert überall fahren und kostenlos parken zu dürfen, wo sie wollen.
Die LUBU ist der Meinung, daß es an der Zeit ist, mehr für die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer zu tun. Auch Fußgänger, Radfahrer und Busbenutzer sind schließlich Teilnehmer am Verkehrsgeschehen im öffentlichen Raum.
Wenn in den letzten Jahren Radwege angelegt wurden, dann in 99 % aller Fälle auf Kosten der Fußgänger. Ob der Fußgänger unter alten Kastanien am Schloßgarten und Schloß entlang läuft oder an der B 27 von der Innenstadt nach Eglosheim gelangen oder die August-Bebel-Straße als Fußgängerverbindung zur Weststadt nutzen will, überall muß er seinen sowieso nicht besonders breiten Gehweg mit den Radfahrern teilen.
Langzeituntersuchungen haben in den letzten Jahren die Tatsache zutage gefördert, daß auf Radwegen mehr Unfälle passieren als in Tempo-30-Zonen, was eine ganz alte Forderung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC unterstützt, in den Städten mehr gemeinsame Landsamfahrbereiche auszuweisen.
Eine Tempo-30-Ausweisung auf allen Ludwigsburger Straßen außer der B 27, der Marbacher und der Schwieberdinger Straße (hier sind wegen des starken Autoverkehrs baulich getrennte Radwege angebracht) trägt zu guten Lösungen für drei Umweltprobleme entscheidend bei:
- Lärmminderung,
- Luftschadstoffreduzierung,
- mehr Sicherheit für Radfahrer.

Unsere Anträge 2008 zum Thema "Umwelt"

1. Förderung des Ludwigsburger Busverkehrs

(8.12.08) Antrag: "Die Stadtverwaltung legt dem Gemeinderat ein Konzept zu den Rahmenbedingungen einer finanziellen Förderung des Busverkehrs aus den Gewinnen der Stadtwerke Ludwigsburg GmbH vor. Ziel der Maßnahme soll die Optimierung der Taktzeiten, der Anbindung an die S-Bahn, der Informationseinrichtungen am Haupteingang des Bahnhofs und am Busbahnhof sein."
Viele Städte in Baden-Württemberg wie z.B. Bietigheim oder Tübingen nutzen die Gewinne ihrer Stadtwerke steuersparend nicht nur zum Bau von Parkhäusern, sondern auch zur Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs. Im Zusammenhang mit einer Gesamtverkehrsplanung für alle Verkehrsarten sollte sich die Verwaltungsspitze auch endlich Gedanken um dieses Thema machen.

Denn
- Öffentlicher Nahverkehr ist ein wichtiger Bestandteil der Kommunalen Daseinsvorsorge im Bereich Mobilität für alle Bevölkerungskreise.
- Öffentlicher Nahverkehr leistet einen hohen Beitrag zum Klimaschutz. Busse und Bahnen produzieren für die geleiche Beförderungsleistung zwei Drittel weniger CO2 als der PKW.
- Ludwigsburg fördert seit 20 Jahren über den steuerlichen Querverbund Stadtwerke - Parkierungsanlagen GmbH den Kraftfahrzeugverkehr mit dem Einsatz von Millionen Euro. Ein geringer Prozentsatz des dort investierten Geldes würde ausreichen, einige der oben erwähnten Mängel des Busverkehrs in Ludwigsburg zu verbessern. Auch der Profisport in der Stadt profitiert mit einer sechsstelligen Summe von den Gebühren der Bürger und Bürgerinnen. Ob das in ihrem Sinne ist, hat die Kunden der Stadtwerke noch niemand gefragt.
Oberbürgermeister Spec wußte seine Ablehnung des Antrags nur damit zu begründen, daß "wir mal die Fördermittel darstellen müssen, die der ÖPNV bekommt." Wir finden diesen Vorschlag hervorragend, denn endlich wäre ganz öffentlich von jedem Ludwigsburger/jeder Ludwigsburgerin nachzulesen, wieviel Tausend Euro der Busverkehr im Vergleich zu den Millionen bekommt, die allein in den letzten acht Jahren in den Bau von Parkhäusern geflossen sind! Von solchen Kleinigkeiten wie Investitionen in das Parkleitsystem oder die Förderung der EnBW-Basketballer wollen wir gar nicht reden.
Die SPD Baden-Württemberg setzt sich übrigens in ihren Werbeblättern für die Bezuschussung des ÖPNV durch Gewinne der Stadtwerke ein, die SPD Ludwigsburg in Gestalt der Herren Bohn, Griesmaier und Juranek stimmte natürlich gegen den LUBU-Antrag.

Bebauungsplan Business-Park Monrepos - Mäurach

Ausgleich ade

Am 3.1.1997 hat das RP Stuttgart einen Planfeststellungsbeschluß zum Bau der Mäurachquerspange erlassen, in dem festgesetzte Ausgleichs-, Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen enthalten sind.
Dazu gehören unter anderem
- die Aufwertung eines Flurstück südlich des Gewerbebetriebs der Firma Link;
- Schutzmaßnahmen zugunsten gesetzlich geschützter Biotope, Gehölzstrukturen und Einzelgehölze. Laut Unterlagen sind das sechs 24a-Biotope, die im Gebiet zwischen Zufahrtsstraße zum Business-Park und B 27 liegen.
Mindestens diese beiden Ausgleichsmaßnahmen befinden sich im Bereich des Bebauungsplans „ Business-Park Monrepos“, dessen Aufstellung am 9. April 2008 im Gemeinderat Ludwigsburg beschlossen wurde.

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Erster Baggerbiss zur Mäurachquerspange 1998 - Stefan Mappus (CDU) und Christof Eichert (Oberbürgermeister) versiegeln das Grüngebiet
Wir BUND-Vertreter gehen davon aus, daß Ausgleichsmaßnahmen Bestand haben, solange die „ausgeglichene“ Baumaßnahme existiert. Abgesehen davon muß noch überprüft werden, ob die im Planfeststellungsbeschluß enthaltenen Ausgleichsmaßnahmen überhaupt wirksam ausgeführt worden sind. Von der sogenannten „Amphibienschutzanlage“ kann man heute schon sagen, daß sie wirkungslos ist, weil vollkommen unsinnig angelegt. Welche Schlußfolgerungen sich aus allen diesen Tatsachen ergeben, müssen wir überprüfen lassen. Stadträtin Burkhardt, die auch Ludwigsburger BUND-Vorsitzende ist, hat zusammen mit ihrer LUBU-Kollegin Adelheid Kainz den Aufstellungsbeschluß abgelehnt. Sie meinten, daß man nicht von ihnen verlangen könne, einem Bebauungsplan zustimmen, der im Wesentlichen einen Bereich mit 24a-Biotopen bzw. Ausgleichsmaßnahmen für eine Straßenbaumaßnahme umfaßt.

Zum Thema Holzheizkraftwerk (HHKW) in Ludwigsburg

Gesamtenergiekonzept

(10.6.07) Grundsätzlich ist der Bau eines Holzheizkraftwerkes zu begrüßen, wenn es Teil eines umweltgerechten Gesamtenergiekonzeptes ist und das Holz aus der näheren Umgebung stammt...
Die Stadtwerke Ludwigsburg betreiben 10 größere und einige weitere kleine Heizwerke und Heizkraftwerke. Mindestens drei der größeren Heizwerke sind dringend modernisierungsbedürftig, weil sie entweder nicht mehr den neuen technischen Anforderungen entsprechen oder reine Heizwerke mit einer Primärenergieausnutzung von ca. 30 % sind.
Der Umbau aller vorhandenen Heizwerke in moderne Blockheizkraftwerke wäre die vordringlichste Aufgabe einer umweltgerechten Energieversorgungsplanung. Da jetzt aber 16 Millionen Euro in ein Prestigeobjekt wie das gerade eröffnete Holzheizkraftwerk investiert wurden, wird die Sanierung allein aus Kostengründen noch auf sich warten lassen.
Wirtschaftlichkeit und Umwelt
Voraussetzung für den wirtschaftlichen und umweltgerechten Betrieb eines Holzheizkraftwerkes sind wegen der hohen Transportkosten verfügbare Rohstoffe in der näheren Umgebung. Wie das unter Berücksichtigung der Größe des Holzheizkraftwerkes in den nächsten 20 Jahren im waldärmsten Kreis des Landes Baden-Württemberg erreicht werden soll, ist nicht nachzuvollziehen. Stand März 2010: Inzwischen kommt das Holz nicht mehr aus dem Kreis Ludwigsburg, wie vor drei Jahren noch von den Herren Spec und Skaletz behauptet, sondern aus der Region Stuttgart. Wir sind neugierig, wann aus der Region ganz unauffällig die Metropolregion wird, zu der bekanntlich auch der Nordschwarzwald gehört...Es kann nicht Sinn einer umweltfreundlichen Energieerzeugung sein, Holz in großen Mengen per Lastwagen aus fernen Landen zu beziehen. Das würde die ÖKO-Bilanz ganz gewaltig verändern.....
Weitere Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb sind die Einspeisungspreise für den erzeugten Strom, die im Augenblick doppelt so hoch sind wie die für den in herkömmlichen Blockheizkraftwerken erzeugten Strom. Gesetzliche Rahmenbedingungen können sich aber ganz schnell ändern, wie die letzten Jahre gerade auf dem Energiesektor gezeigt haben.
Die Vermarktung der erzeugten Abwärme zu hohen Preisen ist eine weitere wichtige Grundlage eines wirtschaftlich arbeitenden Holzheizkraftwerkes. Die von den Stadtwerken in den Diskussionen genannten Abnehmer wie das Landratsamt oder die Kreissparkasse haben zum großen Teil bereits eigene Energieversorgungsanlagen und werden nur partielle Abnehmer sein. Wenigstens ist die Arena am Bahnhof jetzt Bezieher der Abwärme geworden. Der Geschäftsführer der Stadtwerke spricht aber davon, daß das HHKW im Sommer heruntergefahren werden müsse, weil der Wärmebedarf nicht groß genug sei.
Private Abnehmer auch noch mit hohen Energiebezugspreisen zu belasten, ist in der jetzigen wirtschaftlichen Situation nicht machbar, zumal umweltfreundliche und preisgünstige Alternativen bereits vorhanden sind.
Luftschadstoffbelastung
Natürlich gibt es auch dabei Argumente für eine zurückhaltende Betrachtung des HHKW: die Staubbelastung mag geringfügig steigen, aber Stickoxyde und Schwefeldioxyd bedürfen einer sehr aufwendigen und damit teuren Filtertechnik, um einigermaßen im Rahmen zu bleiben. Manche Leute scheinen zu vergessen, daß nicht nur Kohlendioxyd das Klima belastet.

Pflanzung der „Zukunftslinde“ am 7.10.05

Grüne Zukunft

von E. Burkhardt
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Zukunftskonferenz im September 2005 waren von den Moderatoren gebeten worden, einen Gegenstand mitzubringen, den sie in die Zukunft der Stadt mitnehmen wollten.
Ich habe eine Linde mitgebracht.
Im Laufe der Diskussionen haben die Teilnehmer/-innen der Projektgruppe „Grün in der Stadt“, zu denen ich auch gehörte, beschlossen, als erste Aktion diese Linde zu pflanzen. Ein Platz für die Pflanzung war dank Herrn Schilling, Leiter der Abteilung "Grünflächen" im Tiefbauamt der Stadt, der auch Mitglied der Arbeitsgruppe war, rasch gefunden.
Wir wollen mit der Pflanzung ein Zeichen der Hoffnung setzen, daß Gedanken und Visionen der Zukunftskonferenz nicht im Alltagsgrau versinken, sondern blühen, wachsen und gedeihen. Es gibt nichts Schöneres als einen Baum als Symbol für diese Erwartungen.
Die Linde ist ein historischer Baum für Ludwigsburg. Die ersten im Auftrag Herzog Eberhard Ludwigs gepflanzten Alleen bestanden aus Linden und Kastanien. Die Linden wurden viel besungen, u.a. von David Friedrich Strauss, einem unserer vier auf dem Holzmarkt verewigten bedeutenden Ludwigsburger.
So möge ein kleines Gedicht die Pflanzung begleiten:


Oh Lindenbaum, oh Lindenduft,
Du bannst den Feinstaub aus der Luft
Verstehst ihn wohl zu binden.
Der Linden werd ich nimmer satt,
Es atmet freier meine Stadt
Dank ihrer grünen Linden.
Steht auch der Baum jetzt noch allein
Ein Hoffnungsträger soll er sein,
Daß Ludwigsburg als grüne Stadt
Auch weiter eine Zukunft hat.

Taten statt Worte Zur Konkretisierung des Themas "Neuanpflanzung von Bäumen und Sträuchern als Schadstoffbinder" hat die LUBU in einer Sondersitzung des Ausschusses für Bauen, Technik und Umwelt folgenden Antrag gestellt: "Die Stadtverwaltung wird beauftagt, so rasch als möglich Flächen zur Bepflanzung zu suchen und dem zuständigen Ausschuß vorzuschlagen. Wir bitten speziell um Untersuchung
- der Mittelstreifen an allen stark befahrenen Straßen im Stadtgebiet (Beispiel für eine vorbildliche Begrünung ist die Karlstraße in Reutlingen),
- des Bereichs Hohenzollernstraße/Solitudebrücke,
- der Verdichtungsmöglichkeiten in den Alleen.
Auch mit intensiven Pflegemaßnahmen vorhandener Bäume und Sträucher kann deren ökologischer Wert verbessert werden.
Es sollte versucht werden, mit Eigentümern großer versiegelter Flächen wie den LVL und der Getrag Gespräche über Entsiegelungsmöglichkeiten zu führen.
Die Untersuchungsergebnisse sollen die entstehenden Kosten beinhalten."
Der Antrag wurde überraschenderweise einstimmig beschlossen.
Ein weiterer LUBU-Antrag zur Verbesserung der Taktzeiten der Ludwigsburger Buslinien und der Verbesserung der Fahrgastinformationen für Busnutzer fand zum ersten Mal eine freundliche Mehrheit.

Mäurach-Querspange in Eglosheim

1 Meter Straße = 15 000 Euro

Die endgültige Abrechnung für den Bau der Mäurach-Querspange nördlich des Ludwigsburger Stadtteils Eglosheim liegt nun vor. Ein Meter Straße hat, rund gerechnet, 15.000 Euro oder 30.000 DM an Steuermitteln gekostet.
Die Abrechnungsschlußsumme beträgt 6.646.250 Euro.

Jeder Meter dieser Straße hat eine halbe Erzieherinnenstelle im Kindergarten gekostet

Welche Ausgaben werden für 1 Meter Tunnel in der Frankfurter Straße in Eglosheim auf die Steuerzahler zukommen?
Wir Umweltschützer haben die Straße immer abgelehnt, weil wir das Ergebnis des Baus vorausgesehen haben. Die Baumaßnahme hat nichts an den Verkehrsproblemen in der Frankfurter Straße geändert. Die Forderung nach dem Tunnel, die von der SPD im Bauausschuß im Zusammenhang mit der Abrechnungsdebatte sofort wieder kam, ist der beste Beweis dafür.
Umweltfreundliche Verkehrsplanung
Ein Zehntel der Zuschußsumme von 4,3 Millionen Euro hätte ausgereicht, den 10-Minuten-Takt für den Busverkehr in Ludwigsburg einzuführen. Die übrigen 90 % hätte man in andere umweltfreundliche verkehrspolitische Maßnahmen stecken können. Schließlich hatte der Gemeinderat 1998 beschlossen, den Verkehrszuwachs auf umweltfreundliche Verkehrsarten zu verlagern und nicht dem Szenario Trend „Verkehrszuwachs = neuer Straßenbau“ zu folgen.
Der Bau der Mäurachquerspange ist ein Musterbeispiel für den Einsatz von Steuergeldern ohne positive Ergebnisse. Im Gegenteil, jetzt wird der Tunnel in Eglosheim als "notwendiger Anschlußbau" mit noch höheren Kosten (90 Millionen Euro) bei immer knapper werdenden Finanzmitteln gefordert.
Märchenstunde
Es mag sein, daß die Monreposstraße durch die Umgehungsstraße vom Autoverkehr entlastet worden ist. Eine Verkehrsberuhigung in ganz Eglosheim Ost als Folge der Mäurachquerspange aber ist ein Märchen, das von den Befürwortern dieser Straßenbaumaßnahme als Entschuldigung für die horrenden Kosten in die Welt gesetzt worden ist. Die sogar vom Regierungspräsidium Stuttgart als vorbildlich bezeichnete Verkehrsberuhigung der Wohnstraßen in Eglosheim Ost wurde bereits 1984-1989 beschlossen und umgesetzt. Die Mäurachquerspange war in diesem Zusammenhang überhaupt nicht in der Diskussion und wäre auch völlig überflüssig gewesen. Sie war in Wahrheit ein Versprechen an die Anwohner im Heuweg, die dafür Anfang der neunziger Jahre ihre Einsprüche gegen das emalige Möbelhaus Mann (heute Möbel-Lutz) im ehemaligen Milu-Gelände zurückzogen.
Es gibt in Ludwigsburg mindestens fünf Straßen, angefangen von der Friedrichstraße, die weitaus mehr Verkehr als die Monreposstraße zu verkraften haben. Wenn wir für alle diese Straßen teure Umgehungsstraßen bauen wollten, würde der städtische Haushalt wirklich zusammenbrechen.
Kleiner Kostenvergleich: Die Stelle einer ausgebildeten Erzieherin im Kindergarten kostet jährlich 40.000 Euro.
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